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Qigong und Bluthochdruck

November 10, 2014

Bluthochdruck gilt wie Rückenschmerzen als Volkskrankheit und findet sich in behandlungswürdiger Höhe nicht nur bei rund einem Viertel aller Österreicher, sondern generell bei 20 – 25% der Menschen in den westlichen Industrienationen. In der Altersgruppe der 60 – 74jährigen haben mehr als 60% der Menschen Bluthochdruck. Er ist eine Hauptursache für Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt. Als Bluthochdruck oder „arterielle Hypertonie“ bezeichnet man die dauerhafte Erhöhung des systolischen (oberer Messwert) und diastolischen (unterer Messwert) Blutdrucks. Die Ursache ist in 90% der Fälle nicht bekannt und wird als „essentielle Hypertonie“ bezeichnet. Bluthochdruck ist nur bei rund der Hälfte aller Betroffenen diagnostiziert. Bei zwei Dritteln dieser Menschen erfolgt trotzdem keine entsprechende Therapie. Einige Symptome sind: Allgemeine Unruhe und Nervosität, pochende Schläfen und pulsierende Kopfschmerzen, Schwindel – oft in Verbindung mit Ohrensausen und Flimmern vor den Augen, gerötetes Gesicht bei geringer Anstrengung, Nasenbluten, Atemnot, Herzbeschwerden. Seine „Einstellung“ erfolgt hauptsächlich durch die Verabreichung von Medikamenten. Dabei kann man neben Lebensstiländerung, Entspannung und Psychotherapie besonders durch Qigong positiv auf seinen Blut(-hoch)druck einwirken, wie auch in kritischen Reviews (=Übersichtsartikeln) betont wird.
In einer Übersichtsarbeit aus 2008 beurteilten Guo und Kollegen (4) 92 randomisierte, kontrollierte Untersuchungen zum selbständigen Üben von Qigong bei Bluthochdruck mit dem Hauptaugenmerk auf Veränderungen des systolischen und diastolischen Blutdruckes. Es wurden schließlich neun dieser 92 Studien mit einer Gesamtanzahl von 908 Teilnehmern in die Datenanalyse eingeschlossen. Die Untersucher fanden eine durchschnittliche Senkung des systolischen Bluthochdrucks um 17.03 mmHG ( 95% confidence interval (CI) 11,53-22,52) der Qigongübenden im Vergleich zu Patienten, die nichtspezifische Methoden anwandten (nonspecific intervention controls (NIC)), aber keinen signifikanten Unterschied im Vergleich zu Patienten, welche Medikamente einnahmen (1,19 mmHg, 95% CI -5,40-7,79) bzw. eine andere Form von konventionellen Körperübungen ausführten (-1,51 mmHg, 95% CI -6,98-3,95). Der diastolische Blutdruck sank bei den Qigong Übenden durchschnittlich um 9,98 mmHG (95% CI 2,55-17,41) im Vergleich zu Patienten, die nichtspezifische Methoden anwandten (NIC), aber wiederum gab es keinen signifikanten Unterschied im Vergleich zu Patienten, welche Medikamente einnahmen (2,49 mmHg, 95% CI-0,16-5,13), bzw. eine andere Form von konventionellen Körperübungen ausführten (-1,59 mmHg, 95% CI -4,91-1,74). Es wurden keine Nebenwirkungen gefunden.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass selbständiges Üben von Qigong – bereits bei weniger als einem Jahr Anwendung – den Bluthochdruck besser senken kann als bei Patienten, die nichtspezifische Methoden anwenden, aber nicht besser senken kann als bei Anwendung von Medikamenten oder anderen Bewegungsübungen…

Guo X, Zhou B, Nishimura T, Teramukai S, Fukushima M. (2008). Clinical effect of qigong practice on essential hypertension: a meta-analysis of randomized controlled trials. THE JOURNAL OF ALTERNATIVE AND COMPLEMENTARY MEDICINE. 14 (1), pp. 27-37

Über den Autor
Mag. Franz Wendtner - Klinischer & Gesundheitspsychologe | Psychoonkologe Psychotherapeut | Dipl. Qigonglehrer

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